von Bodo-Klaus Eidmann

FAB-Lehrgang mit Robert Hundshammer (6. Dan) vertieft die Grundlagen und zeigt die Faszination der Details

Es ist längst zu einer schönen Tradition geworden: Einige Wochen nach den beiden großen Tendoryu-Lehrgängen auf dem Herzogenhorn im Schwarzwald werden deren wichtigste Inhalte noch einmal in kompakter Form zusammengefasst. Die „Herzogenhorn-Nachlese“ bietet allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Gelegenheit, zentrale Prinzipien zu vertiefen und die zahlreichen Eindrücke der intensiven Lehrgangstage nachhaltig zu festigen.

Auch 2026 fand diese beliebte Veranstaltung wieder beim TSV München-Großhadern statt. Neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich ursprünglich angemeldet – am Ende standen jedoch 16 Aikidoka auf der Matte und unterstrichen damit das große Interesse an diesem besonderen Format.

Die Hand als Einladung

Unter der Leitung von Robert Hundshammer (6. Dan), dem Leiter von Tendoryu Deutschland, standen die grundlegenden Prinzipien des Tendoryu-Aikido im Mittelpunkt. Dabei machte Hundshammer deutlich, wie entscheidend bereits das bewusste Anbieten der Hand – ob aus Gyaku Hanmi oder Ai Hanmi – für den weiteren Verlauf einer Technik ist.

Anhand anschaulicher Beispiele erläuterte er, welche vielfältigen Möglichkeiten sich aus diesen Ausgangspositionen ergeben. Dabei zog er einen Vergleich zum Schwertkampf: Besitzt Shite ein Schwert, kann Uke nur dann angreifen, wenn Shite dies überhaupt zulässt. Dieses Verständnis von Distanz, Timing und Initiative bildet einen wesentlichen Kern des Tendoryu-Aikido und zieht sich wie ein roter Faden durch nahezu alle Techniken.

Immer wieder betonte Robert Hundshammer dabei drei grundlegenden Prinzipien des Tendoryu: Kuzushi, Hazushi und Nagashi. Zunächst gilt es, mit dem Partner in Verbindung zu gehen (Kuzushi), dessen Bewegung aufzunehmen, um ihn dann aus dem Gleichgewicht zu bringen. Erst daraus entsteht die Möglichkeit, sich im richtigen Moment zu lösen oder die Angriffslinie zu trennen beziehungsweise zu „schneiden“ (Hazushi). Die eigentliche Technik entwickelt sich schließlich ohne Kraftaufwand aus einem kontinuierlichen Bewegungsfluss (Nagashi), bei dem die Energie des Angreifers aufgenommen und harmonisch weitergeführt wird. Gerade dieses Zusammenspiel macht die Eleganz und Wirksamkeit des Tendoryu-Aikido aus.

So wurden zahlreiche Grundlagen wiederholt und verfeinert – jene oft unscheinbaren Details, die letztlich die Qualität des Aikido bestimmen.

Elegante Technik und besondere Anwendungen

Trainerin Gudrun Bratu (4. Dan Tendoryu) demonstrierte eindrucksvoll, wie sich aus Gyaku Hanmi fließend und nahezu mühelos ein wirkungsvolles Kote Gaeshi entwickeln lässt. Mit präziser Bewegung, harmonischer Körperführung und sauberem Timing zeigte sie, wie sich die zuvor vermittelten Prinzipien unmittelbar in der Praxis wiederfinden: Zunächst die Verbindung zum Partner, dann das saubere Trennen der Angriffslinie und schließlich das fließende Weiterführen der Bewegung bis zur fertigen Technik.

Einen weiteren interessanten Schwerpunkt setzte Trainer Bodo-Klaus Eidmann (4. Dan Tendoryu). Er stellte eine besondere Variante des Yonkyo vor, bei der gezielt der Fuß des Partners kontrolliert und der Partner fast kraftlos aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Dabei geht es um den gezielten Einsatz eines Druckpunktes – wird eher selten im Aikido verwendet. Die Teilnehmer konnten diese Anwendung intensiv üben und somit ihre technischen Möglichkeiten erweitern.

Präzision auch mit dem Schwert

Zum Abschluss wechselte die Gruppe zum Schwerttraining. Geübt wurden die grundlegenden Kata des Ziehens und Wiedereinsteckens des Schwertes. Obwohl diese Bewegungsabläufe auf den ersten Blick kurz erscheinen, zeigte sich einmal mehr, dass gerade hier jedes Detail zählt. Haltung, Griff, Winkel und Timing entscheiden über die Qualität der Ausführung. Auch beim Schwert wurden die Prinzipien des Verbindens, Trennens und fließenden Bewegens deutlich sichtbar: Nur wer die Linie des Gegners erkennt, sie kontrolliert und den Schnitt ohne Unterbrechung ausführt, gelangt zu einer überzeugenden Technik.

Ein besonderes Erlebnis war dabei ein echtes Highlight im wahrsten Sinne des Wortes: Robert Hundshammer hatte ein originales Samurai-Schwert mitgebracht. Schnell wurde deutlich, dass sich dessen Gewicht, Balance und Handhabung grundlegend von einem hölzernen Bokken unterscheiden. Diese Erfahrung vermittelte den Teilnehmern ein noch besseres Verständnis für die historischen Wurzeln vieler Bewegungen im Aikido.

Gemeinsamer Ausklang

Nach einem lehrreichen und intensiven Training fand der Tag seinen geselligen Abschluss in der Vereinsgaststätte „Toni“. Bei gutem Essen und vielen Gesprächen ließen die Teilnehmer den gelungenen Lehrgang Revue passieren. Die Herzogenhorn-Nachlese 2026 zeigte einmal mehr, dass es oft die Rückkehr zu den Grundlagen ist, die den größten Fortschritt ermöglicht. Die Prinzipien Kuzushi, Hazushi und Nagashi begleiteten den gesamten Lehrgang wie ein Leitmotiv – und machten deutlich, dass wahre Meisterschaft nicht in spektakulären Techniken liegt, sondern im Verständnis der elementaren Zusammenhänge des Tendoryu-Aikido.

Die Teilnehmer des FAB-Lehrgangs „Herzogenhorn-Nachlese 2026“ beim TSV München-Großhadern mit Trainer Robert Hundshammer (6. Dan). Foto: Bodo-Klaus Eidmann



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