von Bodo-Klaus Eidmann, mit Beiträgen von Gudrun, Susanne, Stefan und Corinna

TSV München-Großhadern mit zehn Teilnehmenden und fünf Dan-Graduierungen stark vertreten

Wenn sich im Sommer in zwei Wochen insgesamt rund 100 Aikidoka aus verschiedenen Ländern auf dem Herzogenhorn treffen, entsteht eine besondere Atmosphäre: intensive Trainingseinheiten, inspirierende Begegnungen und viele Gespräche weit über die Matte hinaus. Das Tendoryu-Aikido-Seminar 2026 mit Wakasensei Kenta Shimizu zeigte einmal mehr, warum der Lehrgang für viele längst zu einem festen Höhepunkt des Jahres geworden ist.

Bereits zum zweiten Mal fand das Seminar ohne seinen Vater, Shimizu Sensei, den Begründer des Tendoryu Aikido, statt. Nachdem er 2022 coronabedingt nicht teilnehmen konnte, verzichtete er diesmal auf ärztlichen Rat hin auf die beschwerliche Reise nach Deutschland. Eine verständliche Entscheidung, die viele Teilnehmende dennoch mit Wehmut erfüllte. Umso eindrucksvoller führte Wakasensei den Lehrgang fort. Mit Dynamik, präzisen Demonstrationen und bildhaften Erklärungen vermittelte er nicht nur Techniken, sondern vor allem die Prinzipien des Aikido.

Mehr als Technik: Die Suche nach Harmonie

Immer wieder machte Wakasensei deutlich, dass Aikido weit über das Erlernen von Bewegungsabläufen hinausgeht. Anhand der japanischen Begriffe hazushi und kuzushi erklärte er das Zusammenspiel von der Möglichkeit, sich befreien zu können und den Partner aus dem Gleichgewicht bekommen zu können. „Sich zu befreien allein reicht nicht.“ Beides geschehe in einer fließenden Bewegung – dem nagashi, die nur durch die Energie des Angriffs entstehen könne. Auch den Angriff selbst beschrieb er mit bemerkenswerter Klarheit: „Der Angriff muss echt sein – aber so, dass auch ein Anfänger damit etwas anfangen kann und nicht versteift.“ Besonders nachdenklich stimmte seine Frage an alle Teilnehmenden:

„Was ist Harmonie?“

Eine eindeutige Antwort gab er bewusst nicht. Ganz im Sinne der japanischen Lehrtradition blieb die Frage offen – als Einladung, die eigene Antwort auf der Matte und im Alltag zu finden.

TSV München-Großhadern stark vertreten

Der TSV München-Großhadern war mit zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf dem Herzogenhorn vertreten und zählte damit zu den größten Vereinsgruppen des Lehrgangs. Ein besonderer Erfolg waren die fünf Dan-Graduierungen, die im Rahmen des Seminars erreicht wurden. Gleich fünf Großhaderner konnten ihre neuen Graduierungen erfolgreich entgegennehmen:

  • Corinna – 1. Dan

  • Shahram – 2. Dan

  • Alex – 2. Dan

  • Susanne – 2. Dan

  • Luis – 2. Dan

Herzlichen Glückwunsch zu diesen verdienten Erfolgen!

Bild 1: Glückliche Aikidoka vom TSV München-Großhadern zusammen mit Wakasensei Kenta Shimizu (4.v.li.) // Bild 2: Aikidoka vom TSV München-Großhadern in der ersten Lehrgangwoche zusammen mit Wakasensei Kenta Shimizu (Mitte). Foto: Tendoryu


Stimmen vom Herzogenhorn

Stefan: Aikido verbindet Menschen

Für Stefan steht vor allem die Gemeinschaft im Mittelpunkt.

Gudrun: „Jeder nimmt etwas anderes mit.“

Für Gudrun liegt die besondere Stärke des Herzogenhorns darin, dass Technik und persönliche Entwicklung untrennbar zusammengehören.

Mich beeindruckte besonders, wie Wakasensei mit einfachen Bildern komplexe Zusammenhänge verständlich machte. Seine Erklärung von hazushi und kuzushi hat mir gezeigt, dass sich befreien und den Partner aus dem Gleichgewicht bringen zu können immer zusammengehören. Jeder nimmt aus dem Lehrgang etwas anderes mit – genau das macht das Herzogenhorn jedes Jahr so besonders.
— Gudrun
Das Herzogenhorn zeigt für mich jedes Mal aufs Neue, dass Aikido Menschen verbindet – über Dojo-, Landes- und Sprachgrenzen hinweg. Besonders schön ist das Wiedersehen mit Aikidoka, die man oft nur alle paar Jahre trifft und mit denen sofort wieder eine vertraute Atmosphäre entsteht.
Hier wird spürbar, dass Aikido nicht nur eine Kampfkunst ist, sondern eine Gemeinschaft.
— Stefan

Corinna: Ein unvergessliches erstes Herzogenhorn

Für Corinna war das Seminar eine Premiere – und gleichzeitig ein voller Erfolg.

Susanne: Neue Gedanken auf vertrauter Matte

Für Susanne waren es vor allem die klaren Leitsätze Wakasenseis, die in Erinnerung bleiben.

Ich merke mir gut Sätze wie: ‚Wenn man ohne Waffen trainiert, sollte man sie sich vorstellen; wenn man mit Waffen trainiert, sollte man sich vorstellen, man hätte keine.‘ Oder: ‚Ein offener und weiter Blick für alles ringsherum ist besser, als nur zum Angreifer zu schauen.‘ Besonders spannend fand ich den Gedanken, dass der Uke den Nage absorbiert – das war für mich ein neuer Blick auf das Miteinander im Aikido. Wichtig war auch die Erinnerung daran, dass man mit Waffen trainiert, um die Prinzipien des Aikido besser zu verstehen – und nicht nur, um eine Technik mit einem Gegenstand auszuführen. Und natürlich gehören zum Herzogenhorn auch die vielen Begegnungen und gemeinsamen Abende dazu.
— Susanne
Obwohl ich außer Kerstin und Jana kaum jemanden kannte, habe ich mich sofort wohlgefühlt. Wakasensei hat die Techniken unglaublich klar vermittelt und immer gezeigt, worauf es wirklich ankommt. Besonders wichtig waren für mich Harmonie mit dem Partner, Timing, Abstand und die Aufmerksamkeit füreinander. Trotz der voll besetzten Matte haben alle aufeinander geachtet. Dass ich am Ende auch noch den 1. Dan erhalten habe, macht dieses erste Herzogenhorn für mich unvergesslich.
— Corinna

Mehr als ein Sommerlehrgang

Das Herzogenhorn ist weit mehr als ein Ort intensiven Trainings. Es ist ein Treffpunkt von Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen, voneinander lernen und gemeinsam wachsen wollen. Die Worte Wakasenseis über Harmonie, Aufmerksamkeit und echtes Miteinander fanden nicht nur auf der Matte ihren Ausdruck, sondern auch im täglichen Umgang der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. So endete das Herzogenhorn 2026 mit vielen neuen Erkenntnissen, alten Freundschaften, neuen Begegnungen – und der Vorfreude auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.    

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